Mobbing am Arbeitsplatz: Definition, Ursachen und Tipps


Trauriges Emoji mit Fieberthermometer im Mund mit Sprechblase mit Burnout Auswirkungen
Mobbing am Arbeitsplatz kann krank machen ©Harzhauser Beratung

Das Thema Mobbing am Arbeitsplatz begegnet mir in meiner Lebensberater-Praxis sehr häufig, auch wenn’s oft nicht auf Anhieb als solches erkannt wird. Gründe, um ins Coaching zu kommen, sind häufig körperliche Symptome oder ein allgemeines Gefühl der Hilflosigkeit, Mutlosigkeit oder Niedergeschlagenheit. Dass die Ursache für diese Probleme Mobbing am Arbeitsplatz sein könnte, stellt sich häufig erst im Laufe des Gesprächs heraus.


Ständige Beleidigungen, Demütigungen oder unbegründete Kritik können nicht nur die Lust am Job vermiesen, sondern auch ernste gesundheitliche Auswirkungen haben. Ich erlebe jeden Tag, wie sehr Mobbing psychisch belasten und das Leben einschränken kann. Aber ich erlebe auch, wie Betroffene stark und mutig sind und sich gegen Mobbing wehren!


Was ist Mobbing am Arbeitsplatz?

Es gibt immer noch keine allgemein gültige Definition von Mobbing. Ich finde die Beschreibung von der AK Wien sehr treffend: „Im Unterschied zu den „normalen“ Konflikten am Arbeitsplatz ist Mobbing dadurch gekennzeichnet, dass es gezielt und über einen längeren Zeitraum betrieben wird. Ziel ist eine Person zu isolieren, zu schwächen oder auszugrenzen bzw. vom Arbeitsplatz zu vertreiben. Mobbing kann durch eine einzelne Person oder durch eine Gruppe von Personen erfolgen.“


Streit, Missverständnissen, Konflikte oder emotionale Verstimmungen zwischen Kolleg*innen oder ganzen Teams sind zwar unangenehm und kräftezehrend, aber deswegen noch lange kein Mobbing. Auch offizielle Verwarnungen, Kritik oder gar Kündigungen fallen nicht unter Mobbing am Arbeitsplatz.


Ab wann ist es Mobbing?

Wir sprechen immer dann von Mobbing, wenn systematisch und bewusst gegen eine Person vorgegangen wird und das über einen längeren Zeitraum hinweg. Ich weiß, wenn man Opfer von Gemeinheiten und Ungerechtigkeiten wird, erscheint jeder Tag elendslang und jede neue verletzende Aktion lastet schwer auf der Seele.


Wie lange ist also ein „langer Zeitraum“, wenn Zeit doch etwas so Subjektives ist? Eine kleine Faustregel kann dir bei der Einschätzung helfen: wenn du mindestens 1x pro Woche und das über 6 Monate hinweg Attacken ausgesetzt bist, liegt wahrscheinlich Mobbing vor. Spätestens jetzt solltest du aktiv werden!


Das heißt aber nicht, dass du so lange warten musst. Je eher du Konflikte offen ansprichst, umso größer ist die Chance, dass sich daraus gar nicht erst Mobbing entwickelt.


Welche Arten von Mobbing am Arbeitsplatz gibt es?

Der Arbeitspsychologe Heinz Leymann hat 45 unterschiedliche Mobbing-Handlungen identifiziert, darunter zum Beispiel:

  • Jemanden beschimpfen, anschreien oder drohen

  • Bloßstellen oder schikanieren

  • Sich über jemanden lustig machen

  • Sexuelle Annäherungen, Handlungen und Anspielungen oder verbale Übergriffe

  • Gerüchte verbreiten und hinter dem Rücken schlecht über jemanden reden

  • Jemandem gar keine oder unsinnige Arbeit zuweisen

  • Jemandem wichtige Informationen vorenthalten oder bewusst falsche Informationen mitteilen

Um es für dich etwas anschaulicher zu machen, möchte ich gern zwei Beispiele aus meiner Praxis mit dir teilen.


Beispiel für direktes Mobbing

Herr M arbeitet in einem Lebensmittelgroßhandel im Lager. Zwei Kollegen mobben ihn seit er vor drei Jahren in der Firma begonnen hat. Sie beschimpfen ihn und machen sich anderen Kollegen gegenüber lustig über ihn. Sie stehen dabei zusammen und reden gerade so laut, dass Herr M im Vorbeigehen ihr Gespräch aufschnappen kann. Manchmal kommt es auch zu leichten Rempeleien, angedeuteten Kopfnüssen oder ähnlichen Gewaltakten. Herr M versucht den Kollegen wann immer möglich aus dem Weg zu gehen. Das gelingt aber nicht gut, weil er immer wieder direkt mit ihnen zusammenarbeiten muss. Er hat schon versucht ihnen zu sagen, dass sie damit aufhören sollen. Die Kollegen meinen dann nur, er solle sich nicht so anstellen, es sei ja alles nur Spaß. Herr M hat mittlerweile schon den ganzen Sonntag über Bauchschmerzen und fürchtet sich vor dem Montag.


Beispiel für indirektes Mobbing

Frau A wurde vor Kurzem befördert und übernimmt die Leitung von einem wichtigen Projekt, das bisher von ihrer Kollegin Frau Z geführt wurde. Die erfahrene Kollegin soll ihre Führungsposition aufgeben, aber weiterhin unterstützend im Projekt mitwirken und ihre Nachfolgerin Frau A in das Projekt einführen. Frau Z nimmt sich nur sehr wenig Zeit für die Übergabemeetings bzw. sagt immer wieder kurzfristig und ohne Begründung Besprechungen ab. Die Projektunterlagen übergibt sie ungeordnet und unsortiert an Frau A, die nun erst einmal Stunden aufwenden muss, um das Material zu sichten. Im Laufe der Zeit findet Frau A heraus, dass Frau Z ihr wichtige Informationen nicht mitgeteilt hat. Dem gemeinsamen Chef gegenüber behauptet Frau Z, dass sie alles Erdenkliche tut, um der Kollegin A den Einstieg in das Projekt zu erleichtern, dass Frau A aber immer wieder schwere Fehler unterlaufen würden. Auch bei Kolleg*innen beschwert sich Frau Z darüber, dass Frau A inkompetent und faul sei. Als Frau A sie einmal auf die Gerüchte, die ihr auch schon zu Ohren gekommen sind, anspricht, streitet Frau Z alles ab. Frau A hat den Eindruck, dass das Mobbing danach noch schlimmer wird.


Du siehst vielleicht schon, Mobbing kann sehr direkt und offensichtlich stattfinden. Es kann aber auch indirekt und quasi im Verborgenen passieren. Verletzend, demütigend und entmutigend sind beide Arten!


Bossing und Staffing

Mobbing kann übrigens auch über die Hierarchieebenen hinweg passieren. Mobbt eine Führungskraft einen Mitarbeitenden, so sprechen wir von „Bossing“. Seltener ist der Fall, dass eine Führungskraft von einem Mitarbeitenden gemobbt wird. In diesem Fall sprechen wir von „Staffing“.


Tipp:
Die Mobbing Checkliste von der AK kann dir dabei helfen einzuschätzen, ob du Mobbing an deinem Arbeitsplatz ausgesetzt bist oder es sich um einen alltäglichen Konflikt handelt.

Welche Ursachen hat Mobbing am Arbeitsplatz?

Wenn du Opfer von Mobbing geworden bist, dann lass mich dir bitte eines sagen: Es ist nicht deine Schuld! Es gibt keine Personengruppe, die von Mobbing am Arbeitsplatz besonders betroffen ist. Es kann jeden und jede von uns treffen. Es trifft Menschen in den unterschiedlichsten Branchen und Berufen. Es trifft Menschen in akademischen genauso wie Menschen in handwerklichen Berufen.


Eine repräsentative Umfrage von Viking hat ergeben, dass 66,8% der Österreicher*innen schon einmal Mobbing am Arbeitsplatz erlebt haben. Du bist also nicht allein mit deinen Erfahrungen!


Warum mobben Menschen?

Ebenso wenig wie das typische Mobbing-Opfer gibt es auch nicht den typischen Mobber. Ganz oft sind Konflikte, die im Verborgenen schwelen und nie offen angesprochen werden, der Ausgangspunkt von Mobbing. Außerdem hat Mobbing auch viel mit Macht und unbewussten Ängsten zu tun. Der Mobber fühlt sich stark und überlegen und kann damit seine eigenen Ängste gut verdrängen.


Wer viel damit beschäftigt ist, sich mit den vermeintlichen Unzulänglichkeiten anderer zu beschäftigen, muss sich nicht mit seinen eigenen Schwächen auseinandersetzen. Das ist zu einem gewissen Grad auch bequem. Angst davor nicht mehr mithalten zu können, Angst vor Kompetenzverlust, Angst vor Konkurrenz bis hin zu Angst vor Veränderung oder Kündigung können alles Treiber für Mobbing sein.


Mobbing hat System

Mobbing passiert in den seltensten Fällen nur zwischen Mobbing Täter*in und Mobbing-Opfer. Es gibt immer eine ganze Reihe von Menschen, die das System der Erniedrigung und Demütigung direkt und indirekt unterstützen. In einer Mobbingsituation finden wir in der Regel diese Rollen wieder


Mobbing Täter*innen Sie greifen ihre Opfer systematisch und wiederholt an. Sie finden schnell heraus, wo und wie sie ihre Opfer am stärksten treffen können. Das erzeugt eine Machtposition, die ihnen Stärke verleiht. Manchmal ist ihnen auch gar nicht bewusst, wie sehr sie ihre Opfer verletzen und demütigen.


Mobbing-Opfer Die zahlreichen Attacken haben ihren Selbstwert stark vermindert. Sie fühlen sich hilflos, mutlos und komplett allein gelassen. Oft suchen sie die Schuld bei sich und glauben, dass sie etwas falsch gemacht haben. Aufgrund ihrer vielen schlechten Erfahrungen fällt es ihnen schwer anderen Menschen zu vertrauen und um Hilfe zu bitten.


Mobbing Mitläufer*innen Sie unterstützen die Täter*innen direkt indem sie zustimmen oder auch selbst aktiv am Mobbing mitwirken. Das stärkt die Machtposition der Täter*innen noch zusätzlich.


Zuschauer*innen Sie bemerken die Mobbing Attacken zwar, aber greifen nicht aktiv ein, meist aus Angst vor Konflikten und davor selbst das nächste Opfer zu werden.


Welche Folgen hat Mobbing am Arbeitsplatz?

Viele meiner Klient*innen kommen erst nach Jahren des Leidens zu mir in die Praxis. Wer so lange unter dem psychischen Druck von Mobbing leidet, kämpft meist schon mit körperlichen Auswirkungen.


Erste körperliche Symptome von Mobbing können sein:

  • Kopfschmerzen

  • Schlafstörungen

  • Magenschmerzen

  • Übelkeit

  • schnelle Ermüdung

  • Nervosität

  • Zerschlagenheit

  • Schweißausbrüche

  • Herzklopfen

  • Schwindelgefühle

  • Körperverkrampfungen

  • Konzentrationsstörungen

  • Atemnot

In weiterer Folge kann Mobbing auch zu schweren psychischen und physischen Erkrankungen führen, wie z. B.:

  • Burnout

  • Depression

  • Magen-Darmkrankheiten

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Suchterkrankungen

  • Herzinfarkt

  • chronische Immunschwächen

  • Atemwegserkrankungen

  • Rheumatische Erkrankungen

  • Allergien

Selbst wer noch keines dieser Symptome an sich beobachtet hat, leidet mitunter sehr unter Mobbing. Oft macht sich eine generelle Lustlosigkeit oder Demotivation breit. Und auch eine erhöhte Reizbarkeit und mehr Streit in der Familie oder Partnerschaft können Folgen der psychischen Belastungen sein.


Wie kann ich mich gegen Mobbing wehren?

Tipp Nummer 1, den du in allen Mobbing-Artikeln lesen wirst, ist: Wehre dich gegen Mobbing! Ich kann mir gut vorstellen, dass das wie Hohn in deinen Ohren klingt, wenn du selbst betroffen bist. Das klingt ja fast so, als ob du das noch nicht probiert hättest. Viele meiner Klient*innen erzählen mir von ihren Versuchen, sich zur Wehr zu setzen. Wie viel Überwindung es sie kostet, ihren Peinigern offen gegenüber zu treten und wie viel Angst sie davor haben, dass das Mobbing am Ende noch schlimmer wird. Und wie entmutigend es für sie ist, wenn sie all ihre Kraft zusammennehmen und sich dann doch nichts ändert.


Ich halte es auch für ganz wichtig, sich gegen Mobbing zu wehren. Aber weil ich weiß, wie viel das den Betroffenen abverlangen kann, möchte ich diesen Tipp gerne anders formulieren: Stärke dich selbst und dann wehre dich! Mobbing schwächt den eigenen Selbstwert. Wer einen schwachen Selbstwert hat, kann aber nicht kraftvoll für sich selbst eintreten.


Mobbing-Opfer brauchen Selbstvertrauen

Mit meinen Klient*innen arbeite ich daher meist zuallererst daran, ihren Selbstwert-Topf wieder gut zu füllen. Wir sehen uns dann z. B. gemeinsam an, wo besondere Ressourcen wie Stärken, Fähigkeiten, Familie, Freunde, Hobbies usw. liegen.


Wenn wir ständig unter psychischen Attacken leiden, brauchen wir all unsere Kraft, um diese aushalten zu können, dass uns der Blick für all das Gute und Stärkende in unserem Leben abhanden kommt. Wenn wir den Fokus aber darauf lenken, bekommen wir automatisch wieder mehr Kraft und Selbstbewusstsein.


Diese Fragen können dir dabei helfen, deinen Selbstwert zu steigern:

  • Welche Eigenschaften magst du an dir selbst besonders gern?

  • Welche Fähigkeiten bewundern deine besten Freunde oder dein*e Partner*in an dir?

  • Bei welchen Tätigkeiten bist du so richtig im Flow, also vergisst alles rund um dich herum?

  • Welche Hobbies haben dir als Kind so richtig viel Spaß gemacht?

  • Auf welche beruflichen und privaten Erfolge in deinem Leben bist du so richtig stolz?

Stelle dir diese Fragen in einem ruhigen Moment und schreibe deine Gedanken dazu auf. Oder schnapp dir ein großes Blatt Papier und male ein großes Mindmap dazu. Oder sprich mit einem nahestehenden Menschen darüber. Oder komm zu mir in die Lebensberatung und lass dich von mir coachen 😉.


Dein neu gestärktes Selbstbewusstsein kannst du dann nutzen, um deinen Mobbern aktiv gegenüber zu treten und sie zu konfrontieren. Falls du noch mehr Inspiration willst, wie du deinen Selbstwert steigern kannst, empfehle ich dir meinen Artikel Mit mehr Selbstwert raus aus der Mobbing-Opfer Falle. Wenn du Führungskraft bist und sicherstellen willst, dass Mobbing in deinem Unternehmen keine Chance hat, dann ist vielleicht der Artikel So verhinderst du als Führungskraft Mobbing interessant für dich.


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Mein Name ist Elisabeth Harzhauser. Ich bin Diplom-Lebensberaterin und Business Coach, Trauer- und Sterbebegleiterin und Digital Marketing Expertin.


Ich unterstütze Menschen, die etwas in ihrem Leben oder ihrem Unternehmen bewegen wollen.


Ich arbeite in Wien und in der ganzen Welt, denn meine Beratungen und Coachings biete ich auch online an.


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